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Der Mann für die richtige Tapete

HÖCHST Hans Moosbrugger, Chef der Firma Hembus, erhielt für sein künstlerisches Werk den Goldenen Meisterbrief
VON GEORGE GRODENSKY


Mit Hans Moosbrugger durch eine Stadt zu flanieren, kann dauern. Der 72-jährige Malermeister schaut sich nicht nur um, er begutachtet. Wo andere eine schmutzig graue Wand erblicken, sieht er den Untergang eines Kulturguts, des Handwerks. Des über Jahrhunderte gepflegte Wissen um Materialien und Handarbeit. Moosbrugger ist auf hochwertige Fassadengestaltung und Denkmalpflege spezialisiert. „Manche Fassade ist schlicht schrecklich“, sagt er und seufzt. Vor fünf Jahrzehnten hat der Höchster seine Meisterprüfung abgelegt. Kürzlich hat ihn die Innung der Maler- und Lackierer mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Ein Mann von Format. 1961, mit 13, 14 Jahren, ist er einer der jüngsten Lehrlinge im Betrieb des Vaters. Schmächtig sei er gewesen, erinnert er sich. Rudern und gutes Essen haben das geändert, sagt er. Und harte Arbeit.
Mit 16 Jahren besteht er die Gesellenprüfung. Nach dem Wehrdienst geht er nach Stuttgart an die Höhere Fachschule. Bereits nach zwei Semestern legt er die Meisterprüfung ab, mit 21 Jahren. Nach weiteren drei Semestern besteht er die Diplomprüfung für Farbe, Form und Gestaltung. Nach dem Studium arbeitet er zunächst in Köln. Die Firma dort nutzt bereits Computer. Moosbrugger ist beeindruckt von dem „ganzen Zimmer voller Technik“. 1974 machte er sich in der Heimat selbständig, in Rödelheim. Den Betrieb des Vaters mag er nicht übernehmen. „Wir hätten uns mehr um den Generationenkonflikt gekümmert als um das Geschäft“, sagt er. Von Betriebswirtschaft oder gar Computern hielt der Senior ebenfalls nicht viel. Moosbrugger Junior etabliert sich. 2000 übernimmt er die in Schieflage geratene Firma Julius Hembus. „Eine Sensation“, erinnert er sich. „Das war eine Firma,
zu der wir jungen Maler immer aufgeschaut haben.“ Zwei Jahre laufen die Betriebe parallel. Dann bricht die Konjunktur ein. Was folgt bezeichnet Moosbrugger als seine beste Managementleistung. „Einen Betrieb aufzubauen ist leicht“, sagt er. Der Abbau dafür gar nicht. Zumindest wenn er wie
im Handwerk, anders als in der Industrie, sozialverträglich sein muss. „Du kennst die Leute, jeden Einzelnen, auch die Familien.“ Moosbruggers Belegschaft schrumpft von 65 auf 25 Mitarbeiter. „Aber die Leute sind alle gut untergekommen“, sagt der Chef. Sein guter Ruf hat wohl ge
holfen. Wer bei Hembus geschafft hat, ist qualifiziert. Aus- und Weiterbildung sind ihm immer wichtig gewesen. 150 Lehrlinge hat er ausgebildet, 140 davon haben die Gesellenprüfungen bestanden. Gelernt haben sie einiges, „von ‚guten Tag‘ sagen bis wie geht man mit Polyuretan um“.
Außerdem: wie wertvoll alte Handwerkstechniken und traditionelle Materialien sind. „Nicht alles, was die Industrie an Innovationen auf den Markt wirft, bringt automatisch eine Verbesserung der Bauqualität“, sagt der Chef. Oder drastischer: „Jeder würde es ablehnen, sich eine Plastiktüte über den Kopf zu ziehen.“ Bei Gebäuden hätten die Leute aber weniger Hemmungen, Kunststoffe einzusetzen.
Einen Preisunterschied gebe es schon, sagt Moosbrugger und zuckt mit den Schultern. Aber im Verhältnis zur Haltbarkeit relativiere sich das schnell. Vor drei Jahren hat die Firma Hembus das Liebfrauenkloster der Dominikaner in Frankfurt renoviert. Eine Arbeit, die in den Jahren zuvor nicht so ordentlich erledigt worden sei. Moosbruggers Leute hätten erst einmal frühere Schichten abtragen müssen. 52 Tonnen Altmaterial. Moosbrugger schüttelt den Kopf. Auf „den gesunden Untergrund“ haben sie dann Mineralputz und Mineralfarbe aufgetragen. „Das Objekt steht in 20 Jahren noch top da“, sagt er. Auch die Historische Villa Metzler am Schaumainkai hat er renoviert. Da schickt er seine Kunden gerne hin, die sich ein Bild machen möchten. „Das ist besser als eine Musterplatte“, sagt er stolz. Auf dem kalten, zugigen Gerüst steht Moosbrugger nicht mehr, den „Unbillen des Lebens ausgesetzt“. „Wenn, dann geht es um die künstlerische Gestaltung“, sagt er. Seine Frau Sigrun führt die Geschäfte. „Eine ausgezeichnete Architektin“ ist die, sagt er. Zusammen planen sie die 125-Jahrfeier der Firma Hembus, noch in diesem Jahr. Sich zur Ruhe setzen, gar ins Grüne ziehen, ist für ihn nie in Frage gekommen. „Der Freundeskreis ist hier“, sagt er. Dieser Tage ist der vornehmlich mit EintrachtSchauen beschäftigt. „Ich hätte nie gedacht, dass die in meinem Leben nochmal so gut spielen. Geben Sie hier Ihren Text ein...


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